AVERVO Studie · Marktanalyse 2026

Online-Marketing-Markt Deutschland: Größe, Struktur und Transparenz

Wie groß ist der deutsche Online-Marketing-Markt? Je nach Quelle lautet die Antwort 15,77, 30,9 oder 2,37 Milliarden Euro. Diese drei Zahlen messen unterschiedliche Dinge und lassen sich deshalb nicht addieren. AVERVO hat die aktuellen Zahlen von ZAW, Bitkom, BVDW, GWA, IAB Europe und Destatis zusammengeführt und nach Marktgröße, Segmenten, Anbieterstruktur, Preisen und Verträgen eingeordnet, ergänzt um einen eigenen Transparenzindex.

Datengrundlage: veröffentlichte Statistiken von ZAW, Bitkom, BVDW, GWA, IAB Europe und Statistischem Bundesamt · keine eigene AVERVO-Primärerhebung · Datenstand: 12. August 2026

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Executive Summary

Drei Zahlen für einen Markt, drei verschiedene Ausschnitte

15,77 Mrd. € Netto-Internetwerbung 2025

ZAW-Werbeerlöse, +13,1 % gegenüber dem Vorjahr, 56,6 % aller Netto-Werbeeinnahmen erfasster Medien.

30,9 Mrd. € modellierte Digital-Marketing-Ausgaben 2024

Bitkom-Definition inklusive 8,2 Mrd. € interner Gehaltskosten. Methodisch getrennt von der ZAW-Zahl zu betrachten.

39 / 100 AVERVO-Transparenzindex

Eigene evidenzbasierte Einordnung. Die Kanäle sind gut messbar, die Dienstleistung dahinter kaum vergleichbar.

Der deutsche Online-Marketing-Markt ist wirtschaftlich groß und wächst spürbar weiter. Vollständig vermessen lässt er sich trotzdem kaum. Für den eigentlichen Dienstleistungsmarkt liefert das BVDW-Internetagentur-Ranking einen weiteren Ausschnitt: 129 zugelassene Digitalagenturen meldeten für 2025 zusammen 2,37 Mrd. € Honorarumsatz. Auch das ist keine Vollerhebung, sondern das Volumen der teilnehmenden Unternehmen.

AVERVO-Einordnung: Einen einzelnen belastbaren Wert für den gesamten deutschen „Online-Marketing-Markt" aus Agenturleistungen, Media, Plattformen, Software, Tools, Beratung, Produktion und internen Marketingressourcen gibt es nicht. Diese Fragmentierung selbst ist ein Ergebnis der Recherche. Sie zeigt, mit welcher Unübersichtlichkeit Unternehmen bei jeder Beauftragung umgehen müssen.

Methodik

Warum ZAW und Bitkom unterschiedliche Marktgrößen ausweisen

Online-Marketing ist statistisch kein eigener homogener Wirtschaftszweig. Eine SEO-Agentur, ein Softwareanbieter für Marketing Automation, Google Ads, eine Social-Media-Agentur, ein Webentwickler und eine interne Marketingabteilung gehören alle zur selben Wertschöpfung. Wirtschaftsstatistisch tauchen sie an völlig unterschiedlichen Stellen auf.

Die ZAW-Statistik misst Netto-Werbeeinnahmen von Werbeträgern nach Rabatten und Mittlerprovisionen, ohne Produktionskosten, mit bereinigten Überschneidungen zwischen Werbeträgern. Bitkom modelliert dagegen die Ausgaben der Werbungtreibenden für Planung, Konzeption, Schaltung und Distribution und rechnet die internen Gehälter der zuständigen Beschäftigten mit ein.

Beide Zahlen sind korrekt. Beide beschreiben einen anderen wirtschaftlichen Ausschnitt.

ZAW · Netto-Internetwerbung
15,77 Mrd. €
Bitkom · Digital-Marketing gesamt
30,9 Mrd. €
Falsche Addition
46,7 Mrd. € · nicht zulässig
Marktgröße & Entwicklung

Seit 2019 um rund 75 Prozent gewachsen

Die ZAW-Systematik zeigt langfristig eine deutliche Verschiebung in Richtung Internet: von 8,99 Mrd. € im Jahr 2019 auf 15,77 Mrd. € im Jahr 2025. Das entspricht einem Plus von rund 75 % und einer rechnerischen CAGR von etwa 9,8 % pro Jahr. Nach dem Digitalisierungsschub 2020 und 2021 verlangsamte sich das Wachstum 2022 spürbar, bevor es sich danach wieder beschleunigte.

16 14 12 10 8 8,99 9,95 11,62 11,82 12,80 13,95 15,77 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025

2024 entfielen nach ZAW rund 52,2 % der Netto-Werbeeinnahmen auf Internetwerbung, 2025 stieg der Anteil auf 56,6 %. Mehr als jeder zweite Euro der Netto-Mediaerlöse fließt damit inzwischen ins Internet. Diese Zahl beschreibt aber nur Werbeerlöse, nicht das gesamte Marketingbudget eines Unternehmens: Personalkosten, Events, Sponsoring, Marketingsoftware, Marktforschung, PR, Websites und Contentproduktion zählen separat dazu.

Digital-Marketing-Wertschöpfung

Mehr als ein Viertel der Bitkom-Zahl sind interne Gehälter

Für 2024 werden 30,9 Mrd. € Ausgaben für digitales Marketing modelliert, nach 25,6 Mrd. € im Jahr 2022 und 27,9 Mrd. € im Jahr 2023. Die internen Gehaltskosten der Werbungtreibenden stiegen im selben Zeitraum von 6,6 auf 8,2 Mrd. €. Das entspricht rechnerisch rund 26,5 % des Gesamtvolumens 2024. Bitkom schätzt für 2024 insgesamt 302.968 direkte und indirekte Beschäftigte im digitalen Marketing. Von den 267.821 direkt Beschäftigten arbeiten 141.156, knapp 53 Prozent, unmittelbar bei werbetreibenden Unternehmen.

Der deutsche Digital-Marketing-Markt besteht damit zu einem großen Teil aus interner Arbeit. Agenturleistungen bilden nur einen Ausschnitt der Wertschöpfung.

2022
25,6 Mrd. €
2023
27,9 Mrd. €
2024
30,9 Mrd. €
interne Gehaltskostenübrige Ausgaben
Marktsegmentierung

Media ist gut vermessen. Der Rest kaum.

Search bleibt das größte klar messbare Segment: 2025 rund 6,9 Mrd. € Werbeerlöse, ein Plus von 7,0 %. Das Honorar der SEA-Agentur ist darin nicht enthalten. Display inklusive Video erreichte laut OVK gut 7,5 Mrd. € im Jahr 2025, Programmatic Advertising rund 5,9 Mrd. € abgewickelten Umsatzes. Google-Ads-Ausgaben lassen sich auf Kontoebene präzise nachvollziehen. Wie viel zusätzliche Agenturleistung für Strategie, Betreuung und Optimierung tatsächlich erbracht wurde, hängt dagegen vom jeweiligen Vertrag und Reporting ab.

Influencer Marketing mit rund 718 Mio. € im Jahr 2025 und Affiliate Marketing mit 932 Mio. € besitzen eigene Marktschätzungen. Für SEO, Content Marketing, Social Media Marketing, Webentwicklung, Conversion-Optimierung, Marketing Automation, GEO und KI-Beratung fehlen belastbare deutsche Marktgrößen.

Search / SEA6,9 Mrd. € Media (ZAW 2025) · Agenturhonorar nicht ausgewiesen
Display & Video≈7,5 Mrd. € (OVK 2025), +21,3 % ZAW-Erlöse 2025
Programmatic≈5,9 Mrd. € (2025) · technisch hoch instrumentiert
Influencer Marketing≈718 Mio. € (2025), BVDW-Schätzung
Affiliate Marketing932 Mio. € (2025), +8 % ggü. Vorjahr
Social Media Marketingkeine Marktgröße
SEOkeine Marktgröße
Content Marketingkeine Marktgröße
Webentwicklungkeine Marktgröße
Conversion-Optimierungkeine Marktgröße
Marketing Automationkeine Marktgröße
GEO / KI-Beratungentstehendes Segment, keine Zahlen

SEO besteht aus Beratungs-, Content-, Technik-, Entwicklungs-, Daten- und Linkleistungen und wird wirtschaftsstatistisch nicht als eigener Zweig erfasst. Das BVDW/iBusiness-Ranking der 100 wichtigsten SEO-Dienstleister liefert eine Marktübersicht, keine Grundgesamtheit.

Anbieterzahl & Konzentration

Rund 25.000 Werbeunternehmen, aber keine Zählung nach Spezialisierung

Germany Trade & Invest nennt rund 25.000 Werbeunternehmen und 255.000 Beschäftigte im Werbesektor, an anderer Stelle rund 28.000 Werbeagenturen als breitere Größenordnung. Als „25.000 Online-Marketing-Agenturen" lassen sich diese Zahlen nicht lesen. Klassische Werbeagenturen, Digitalagenturen, SEO-, SEA-, Performance-, Social-Media- und Content-Agenturen, Webagenturen, Softwarehäuser, Beratungen und Freelancer erscheinen oft in mehreren Kategorien gleichzeitig. Für die einzelne Spezialisierung fehlt eine amtliche Zählung.

Das BVDW-Internetagentur-Ranking umfasst 129 zugelassene Agenturen mit 2,37 Mrd. € Honorarumsatz und 18.729 Beschäftigten. Als Branchenbarometer taugt es gut, als Anbieterzählung wenig. Innerhalb dieser 129 Unternehmen erreichten die Top 20 zusammen rund 74 % des Ranking-Umsatzes. Außerhalb des Rankings bleibt der Markt stark fragmentiert.

Plattformseite anders konzentriert: Der ZAW verweist auf einen erheblichen Anteil des digitalen Wachstums bei wenigen global dominierenden Plattformanbietern. Für Unternehmen entsteht dadurch eine doppelte Abhängigkeit: vom eigenen Dienstleister und von den Plattformen, über die dieser arbeitet.

Der Freelancer-Kompass 2025 zeigt einen Stundensatz von 104 €, für Grafik, Content und Marketing 82 €. Als Orientierung ist das brauchbar, als repräsentative Zahl für den gesamten deutschen Freelance-Markt in diesem Bereich taugt es nicht.

Bedeutende Digitalagenturen

Auch an der Spitze bleibt der Vergleich unvollständig

Das BVDW-Internetagentur-Ranking 2026 liefert für die größten teilnehmenden Full-Service-Digitalagenturen folgende Werte. Die drei größten kamen zusammen auf 695 Mio. € Honorarumsatz.

RangAnbieterHonorarumsatz 2025
1Plan.Net258 Mio. €
2Reply Digital Experience242 Mio. €
3]init[ AG für Digitale Kommunikation195 Mio. €
4–10Exxeta, valantic, Conclusion, mgm technology partners, Valtech, team neusta, inovexnicht beziffert

Diese Tabelle ist ausdrücklich keine Rangliste der größten Online-Marketing-Agenturen Deutschlands insgesamt. Mediaagenturen, SEO-Spezialisten, Kreativagenturen und Beratungen sind darin nur teilweise vergleichbar erfasst.

Kunden, Nachfrage & Vertragsmodelle

3,2 Millionen KMU als Nachfragemarkt, ohne belastbare Wechselzahlen

Das Statistische Bundesamt zählt für 2024 rund 3,5 Millionen rechtliche Einheiten, davon 2023 rund 3,2 Millionen beziehungsweise 99,3 % kleine und mittlere Unternehmen. GTAI berichtet, dass rund die Hälfte der deutschen Unternehmen digitale Marketingkanäle nutzt. Wie viele davon mit einer externen Agentur arbeiten, lässt sich daraus nicht ableiten.

Der GWA registrierte für 2025 ein durchschnittliches Minus von 2,7 % beim Gross Income der Mitgliedsagenturen: 43,7 % mit Umsatzsteigerung, 50,7 % mit Rückgang, Rendite im Schnitt 7,5 %. Für 2026 nannten 80 % Neugeschäft als wichtigsten Wachstumstreiber. Zum Befragungszeitpunkt war jedoch erst gut die Hälfte des erwarteten Jahresumsatzes vertraglich gesichert, 50,6 %. Von einem vollständig durch langfristige Retainer geprägten Markt kann damit kaum die Rede sein.

LeistungHäufige Modelle
SEORetainer, Projekt, Audit, Stunden
SEA / PerformanceRetainer, Fixhonorar, % vom Mediabudget, Performance Fee
Social MediaRetainer, Projekt, Kampagnenbudget
WebentwicklungFestpreis, Time & Material, Projekt
GEO / KI-BeratungAudit, Projekt, Workshop, Retainer

Beschreibt etablierte Vertragsformen, keine Häufigkeitsverteilung. Zu Vertragslaufzeiten, Kündigungsfristen, Customer Lifetime Value oder Agenturwechseln pro Jahr liegt keine belastbare deutsche Erhebung vor.

Preise, Honorare & Vergleichbarkeit

Für Unternehmensberatung gibt es eine Honorarstudie. Für SEO nicht.

Für die zentralen Leistungskategorien wie SEO-Betreuung, SEO-Audits, SEA, Performance Marketing, Social Media, Content Marketing, Webentwicklung, Relaunches, Strategie, GEO und KI-Beratung fehlt eine repräsentative deutsche Preisdatenbank mit tatsächlich vereinbarten Transaktionspreisen. Agentureigene Preisartikel eignen sich methodisch schlecht als Marktstatistik, weil Anbieter darin ihre eigene Positionierung beschreiben.

Zum Vergleich: Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen weist für 2025 einen fakturierten Tagessatz von 1.300 € aus, für Partner 1.600 €, für Analysten 700 €. Für Unternehmensberatung existiert damit eine branchenweite Honorarstudie. Für SEO, SEA oder Social Media fehlt eine vergleichbare öffentliche Datengrundlage.

Warum Angebote schwer vergleichbar sind: Ein monatliches SEO-Honorar kann Strategie, technische Analyse, Content, Linkaufbau, Reporting, Projektmanagement und Tools enthalten. Ein anderes Angebot mit derselben Bezeichnung deckt vielleicht nur Beratung und Reporting ab. Eine allgemein verbindliche Leistungstaxonomie, anhand derer sich zwei Angebote Position für Position vergleichen lassen, besitzt der Markt nicht.

Markttransparenz im Detail

Fünf Dimensionen, fünf sehr unterschiedliche Befunde

Kaum ein professioneller Dienstleistungsmarkt erzeugt so viele Daten. Trotzdem lässt sich die tatsächliche Wirkung einzelner Leistungen häufig schwer eindeutig zuordnen. Ein Umsatzanstieg kann gleichzeitig durch Markenbekanntheit, Preise, Vertrieb, Saison, Wettbewerb, Offline-Werbung und viele weitere Kanäle beeinflusst sein. Selbst die Bitkom-Studie weist bei ihrer Modellierung darauf hin, dass eine exakte Zuordnung schwierig bleibt.

Preistransparenz

Eine verlässliche Marktpreisdatenbank fehlt. Leistungsumfänge, Senioritätsgrade, Retainer-Inhalte, Media Fees und Toolkosten werden uneinheitlich gehandhabt.

Leistungstransparenz

Projektpläne, Tickets und Dashboards sind verbreitet. Einen branchenweiten Leistungsnachweisstandard gibt es trotzdem nicht.

Erfolgstransparenz

Digitale Kanäle erzeugen umfangreiche Daten. Attribution, Inkrementalität und Markenwirkung bleiben trotzdem schwierig zuzuordnen.

Vertragstransparenz

Verträge lassen sich sehr detailliert gestalten. Ein einheitlicher Branchenstandard fehlt trotzdem, die Qualität hängt von den Vertragsparteien ab.

Anbietertransparenz

Register, Rankings und Zertifikate ermöglichen eine relativ gute Vorprüfung. Die objektive Überprüfung fachlicher Qualität bleibt trotzdem begrenzt.

Erstellt ein Dienstleister Strategie, operative Umsetzung, KPI-Definition, Tracking und Dashboard und bewertet anschließend seine eigene Arbeit, entsteht ein struktureller Interessenkonflikt. Das Reporting muss dadurch nicht falsch sein. Auftraggeber und Prüfer sind in diesem Fall aber dieselbe Partei. In stärker regulierten Expertenmärkten wie der Wirtschaftsprüfung reduzieren Berufsrecht, Zulassung und Qualitätskontrollen einen Teil dieser Asymmetrie. Der Online-Marketing-Markt hat weder einen gesetzlichen Berufszugang noch eine verpflichtende Kammer oder eine allgemeine externe Qualitätskontrolle. Freiwillige Standards wie das BVDW SEO-Qualitätszertifikat oder der SEA Code of Conduct übernehmen nur einen Teil dieser Funktion.

Deals & Konsolidierung

Der Markt konsolidiert sich, ohne öffentliche Gesamtstatistik

Eine vollständige öffentliche Datenbank sämtlicher M&A-Transaktionen deutscher Online-Marketing-Agenturen gibt es nicht. Mehrere größere Transaktionen zeigen trotzdem eine erkennbare Konsolidierungsbewegung, überwiegend rund um Social Media, Retail Media und Technologieintegration.

April 2025

Intermate → SAMY Alliance

Käufer
SAMY Alliance (Bridgepoint)
Größe
≈250 Mitarbeiter
Kaufpreis
nicht genannt
September 2025

acardo group → Verve

Kaufpreis
24,5 Mio. €
Umsatz
≈15 Mio. € Pro-forma
Größe
≈120 Mitarbeiter
2025 / 2026

cmmrcl.ly → Axel Springer → Bonial

Käufer
Axel Springer / Bonial
Kaufpreis
nicht veröffentlicht
Fokus
Social, Retail Media
AVERVO-Transparenzindex

Online-Marketing-Transparenzindex Deutschland: 39 von 100

Für diese Studie hat AVERVO einen eigenen Transparenzindex entwickelt. Er ist keine repräsentative Marktstatistik, sondern eine evidenzbasierte analytische Bewertung der recherchierten Marktstrukturen. Jede Dimension wird von 0 bis 100 bewertet, nach öffentlicher Verfügbarkeit, unabhängiger Überprüfbarkeit, Standardisierung, Vergleichbarkeit zwischen Anbietern und Nachvollziehbarkeit für den Auftraggeber. Alle sieben Bereiche sind gleich gewichtet.

39von 100
Teilweise transparent. Die operative Datenebene ist vergleichsweise transparent, die kommerzielle Dienstleistungsebene deutlich weniger. Ein Werbekonto zeigt auf den Cent, was ein Klick kostet. Ob 5.000 € Agenturhonorar dafür angemessen sind, verrät es nicht.
Preistransparenz
25/100
Keine repräsentativen Preisbenchmarks, individuelle Kalkulation.
Vergleichbarkeit
30/100
Uneinheitliche Leistungsdefinitionen und Geschäftsmodelle.
Standardisierung
35/100
Verschiedene freiwillige Standards, keine flächendeckende berufsweite Norm.
Vertragstransparenz
40/100
Individuell regelbar, aber keine branchenweite Norm.
Erfolgstransparenz
42/100
Umfangreiche Daten, aber Attribution und Kausalität problematisch.
Leistungstransparenz
45/100
Reporting verbreitet, aber kein verbindlicher Leistungsnachweisstandard.
Anbietertransparenz
55/100
Register, Rankings, Zertifikate verfügbar; qualitative Leistung begrenzt überprüfbar.

Eine statistisch repräsentative Quantifizierung wäre erst möglich, wenn mehrere hundert Agenturangebote und Verträge anhand eines standardisierten Kriterienkatalogs untersucht würden.

Wachstumstreiber & Risiken

Video, Retail Media und KI treiben den Markt, KI drückt zugleich auf den Preis

Video wächst europaweit mit 19,6 % besonders dynamisch. Der OVK erwartet, dass Online-Video 2026 erstmals mehr als die Hälfte des deutschen Display-/Videomarktes erreicht. Retail Media wuchs europaweit 2025 um 16,7 % auf 13,3 Mrd. € und prägt sichtbar die M&A-Strategien. Im BVDW-Agenturpanel sehen 80 % die Skalierung von KI-Lösungen als zentralen Werttreiber. Im GWA-Frühjahrsmonitor nennen zugleich 49 % die Ersetzung von Agenturleistungen durch KI als Herausforderung.

Der GWA meldete für 2025 sinkende durchschnittliche Gross Incomes bei einer Rendite von 7,5 %. Das Wachstum der digitalen Gesamtausgaben kommt damit ungleich bei den Agenturen an. Der Fachkräftemangel verliert dagegen an Bedeutung: Nur noch 30 % nannten ihn 2026 als wesentliches Wachstumshemmnis, nach 50 % im Vorjahr.

Zukunft 2026 bis 2035: Eine Fortschreibung der ZAW-Reihe ist keine veröffentlichte Marktprognose, sondern eine eigene Szenariorechnung dieser Studie. Je nach angenommener CAGR ergäbe sich ein Korridor von 20,1 bis 23,2 Mrd. € Netto-Internetwerbung im Jahr 2030, gegenüber einer tatsächlichen CAGR von 9,8 % seit 2019.

Wenn eine Leistung, für die früher zehn Stunden nötig waren, künftig zwei Stunden dauert, verliert Arbeitszeit als alleinige Abrechnungsgrundlage an Bedeutung. Die Prüfung des tatsächlichen Leistungswerts gewinnt dadurch an Gewicht.

Datenlücken als Befund

Über die Kanäle ist mehr bekannt als über die Leistung dahinter

Diese Liste ist für die Gesamtinterpretation ebenso wichtig wie die verfügbaren Milliardenwerte. Für eine vollständige Vermessung des deutschen Online-Marketing-Dienstleistungsmarktes fehlen insbesondere die folgenden Primärdaten.

Anzahl SEO-/SEA-/Social-Agenturen Nein
Gesamtumsatz SEO-Dienstleistungen Nein
Durchschnittlicher SEO-/SEA-Retainer Nein
Durchschnittliche Vertragslaufzeit Nein
Durchschnittliche Kündigungsfrist Nein
Customer Lifetime Value Nein
Anteil mit KPI-Vereinbarungen Nein
Anteil mit Leistungsnachweis Nein
Anteil veröffentlichter Agenturpreise Nein
Agenturwechsel pro Jahr Nein
Jährliches M&A-Volumen Nein
Anteil unzufriedener Kunden Nein

Eine Aussage wie „60 % der Agenturen weisen Leistungen unzureichend nach" lässt sich daraus nicht ableiten. Die fehlende Datenbasis selbst ist der Befund: Sie zeigt, dass es einen branchenweiten Leistungsnachweisstandard nicht gibt, und dass sich Preis, Leistung und Vertrag eines konkreten Angebots nur im Einzelfall prüfen lassen. Ein Marktdurchschnitt ersetzt diese Prüfung nicht.

Gesamtbewertung

Groß, wachstumsstark, schwer vergleichbar

Der deutsche Online-Marketing-Markt ist groß, wachstumsstark und inzwischen ein zentraler Bestandteil der deutschen Werbe- und Unternehmenswirtschaft. Seine wirtschaftliche Bedeutung steht außer Frage. Der externe Dienstleistungsmarkt gehört trotzdem zu den schwerer vergleichbaren professionellen B2B-Märkten. Ursache sind heterogene Leistungsdefinitionen, fehlende Preisbenchmarks, komplexe Attribution, individuelle Vertragsmodelle, fehlende Berufsstandardisierung und eine strukturelle Wissensasymmetrie zwischen Auftraggeber und Anbieter.

Der Auftraggeber kauft Expertise, deren Qualität er gerade wegen fehlender eigener Expertise oft nur eingeschränkt beurteilen kann. Gleichzeitig definiert der Anbieter oftmals die Strategie, die Maßnahmen, die Kennzahlen, die Messung und die Interpretation der Ergebnisse. Zu Fehlverhalten muss das nicht führen. Objektiv entsteht dadurch trotzdem eine Informationsasymmetrie, die sich nur im konkreten Einzelfall auflösen lässt, nicht über eine Marktstatistik.

EbeneWas gemessen wirdWas daraus nicht folgt
Media & KanäleAusgaben, Klicks, Rankings, ImpressionenAngemessenheit des Agenturhonorars
ReportingLeads, Traffic, Conversionswelcher Anteil kausal auf die Agentur zurückgeht
Zertifikatefreiwillige SelbstverpflichtungQualität der konkreten Kundenarbeit
Unabhängige PrüfungAngebot, Vertrag und Nachweis im EinzelfallErfolgsgarantie
Methodik & Quellen

Woher die Zahlen stammen

Diese Studie ist keine AVERVO-Primärerhebung. Sie führt veröffentlichte Marktstatistiken zusammen und ordnet sie ein. Die wesentlichen Marktgrößen beruhen auf den aktuellen Statistiken des ZAW. Für die breitere volkswirtschaftliche Betrachtung diente die Bitkom-Studie „Digitales Marketing in Deutschland 2025" als Grundlage. Daten zur Digitalagenturbranche stammen aus dem BVDW-Internetagentur-Ranking 2026, Angaben zur wirtschaftlichen Lage von Agenturen aus dem GWA-Frühjahrsmonitor 2026. Europäische Vergleichsdaten liefert der IAB Europe AdEx Benchmark 2025, Unternehmenszahlen das Statistische Bundesamt.

Den größten zusätzlichen Erkenntnisgewinn brächte keine weitere allgemeine Marktgrößenstudie, sondern eine Untersuchung der Einkaufs- und Leistungsrealität zwischen Unternehmen und Agenturen, etwa anhand mehrerer hundert realer, anonymisierter Angebote und Verträge. Ein konkretes Angebot, ein konkreter Vertrag, ein konkreter Anbieter: Genau auf dieser Ebene setzt jede AVERVO-Prüfung an.

Grenzen der Untersuchung: Alle Zahlen sind Sekundärdaten der genannten Quellen zum jeweils dort ausgewiesenen Stichtag. ZAW- und Bitkom-Werte lassen sich methodisch nicht addieren. Der AVERVO-Transparenzindex ist eine eigene analytische Einschätzung, keine repräsentative Erhebung. Wo im Text „belastbare Daten fehlen" vermerkt ist, bezeichnet das den Stand der öffentlich zugänglichen Statistik zum Recherchezeitpunkt, nicht das Fehlen des zugrunde liegenden Marktes.

Quellen: ZAW, Bitkom „Digitales Marketing in Deutschland 2025", BVDW-Internetagentur-Ranking 2026, GWA-Frühjahrsmonitor 2026, IAB Europe AdEx Benchmark 2025, OVK, Statistisches Bundesamt, Freelancer-Kompass 2025, Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen · Datenstand: 12. August 2026

So zitieren Sie diese Studie

AVERVO (2026): Online-Marketing-Markt Deutschland: Größe, Struktur und Transparenz. Online: https://avervo.de/studien/online-marketing-markt-deutschland/ (abgerufen am 10.09.2026).

Kein Marktdurchschnitt hilft bei einer konkreten Entscheidung

Diese Studie zeigt, warum sich Angebote, Verträge und Leistungsnachweise im Online-Marketing kaum gegen einen anerkannten Marktwert spiegeln lassen. AVERVO prüft deshalb den konkreten Anbieter, Vertrag oder das konkrete digitale Projekt, unabhängig und nach einheitlicher Methodik.

Angebot oder Anbieter prüfen lassen