Das Wichtigste auf einen Blick
Ein Agenturwechsel sollte nach einer klaren Prüfung von Leistung, Ergebnissen, Strategie und internen Ursachen erfolgen. Anschließend werden Vertrag, Daten, Zugänge, Übergabe und Auswahl der neuen Agentur strukturiert vorbereitet.
- Ursachen zuerst prüfen: Vor dem Wechsel sollte klar sein, ob Probleme tatsächlich beim Anbieter oder teilweise in internen Prozessen liegen.
- Übergabe als eigenes Projekt behandeln: Verträge, Accounts, Daten, laufende Maßnahmen und eine Baseline müssen vor dem Wechsel gesichert werden.
- Neue Agentur kontrolliert starten lassen: Ein 30-/60-/90-Tage-Review schafft früh Transparenz über Struktur, Prioritäten und Qualität des neuen Mandats.
Ein Agenturwechsel ist eine unternehmerische Entscheidung mit Auswirkungen auf Budgets, laufende Kampagnen, Daten, Systeme und interne Abläufe. Besonders bei langjährigen Mandaten hängen oft zahlreiche Konten, Prozesse und Informationen am bestehenden Dienstleister. Deshalb sollte der Wechsel auf einer klaren Bewertung der bisherigen Leistung beruhen und anschließend strukturiert vorbereitet werden.
Für Unternehmen sind dabei drei Fragen zentral: Ist ein Wechsel tatsächlich erforderlich? Ist das Unternehmen organisatorisch darauf vorbereitet? Und wie gelingt die Übergabe, ohne wertvolle Daten, Wissen oder operative Kontinuität zu verlieren?
Wann sollte ein Unternehmen die Agentur wechseln?
Ein Agenturwechsel wird sinnvoll, wenn relevante Probleme über einen längeren Zeitraum bestehen und durch gemeinsame Nachsteuerung keine ausreichende Verbesserung erreicht wird.
Ein einzelner schwacher Monat liefert dafür kaum eine belastbare Grundlage. Marketing, SEO, Werbung oder digitale Projekte entwickeln sich häufig über längere Zeiträume. Gleichzeitig sollte sich eine Zusammenarbeit kontinuierlich weiterentwickeln.
Typische Gründe für einen Agenturwechsel sind dauerhaft schwache Ergebnisse, fehlende strategische Weiterentwicklung, mangelnde Transparenz, deutliche Kompetenzlücken oder wiederkehrende Probleme bei Leistung und Kommunikation.
Wichtig ist eine strukturierte Betrachtung mehrerer Ebenen.
| Bereich | Zentrale Frage |
|---|---|
| Leistung | Werden die vereinbarten Leistungen tatsächlich erbracht? |
| Ergebnisse | Entwickeln sich die relevanten Zielkennzahlen angemessen? |
| Strategie | Wird das Vorgehen regelmäßig überprüft und weiterentwickelt? |
| Reporting | Sind Leistung, Kosten und Ergebnisse nachvollziehbar? |
| Kompetenz | Verfügt das eingesetzte Team über die erforderliche Fachkenntnis? |
| Wirtschaftlichkeit | Stehen Honorar und Leistung in einem plausiblen Verhältnis? |
| Zusammenarbeit | Funktionieren Abstimmung, Verantwortlichkeiten und Verbindlichkeit? |
Erst aus dem Gesamtbild lässt sich ableiten, ob ein Agenturwechsel die passende Konsequenz ist.
Agenturproblem oder internes Problem?
Vor einem Wechsel sollte geklärt werden, wo die Ursachen tatsächlich liegen.
Agenturergebnisse hängen häufig auch von internen Voraussetzungen beim Auftraggeber ab. Langsame Freigaben, fehlende Inhalte, eingeschränkte technische Ressourcen, unklare Ziele oder ein schlecht gepflegtes CRM können selbst eine fachlich gute Agentur erheblich ausbremsen.
Ein Beispiel:
Eine Performance-Agentur generiert qualifizierte Leads, während der Vertrieb diese erst mehrere Tage später bearbeitet. Die Abschlussquote bleibt schwach. Das eigentliche Problem liegt dann möglicherweise in der internen Weiterverarbeitung und weniger in der Kampagne.
Lesen Sie hier, wie Sie eine Performance-Marketing Agentur wechseln
Ähnliches gilt für SEO. Wenn technische Empfehlungen über Monate auf Umsetzung warten, kann sich die organische Entwicklung deutlich verzögern.
Vor der Wechselentscheidung sollten deshalb Agenturleistung und interne Rahmenbedingungen getrennt untersucht werden.
Hilfreich sind Fragen wie:
-
Welche vereinbarten Leistungen lagen vollständig in der Verantwortung der Agentur?
-
Welche Maßnahmen waren von interner Mitwirkung abhängig?
-
Welche Empfehlungen wurden umgesetzt?
-
Welche Aufgaben blieben intern offen?
-
Welche Auswirkungen hatten Verzögerungen auf das Ergebnis?
Diese Trennung sorgt für eine faire Bewertung und verhindert, dass beim nächsten Anbieter dieselben strukturellen Probleme erneut auftreten.
Warnsignale, die einen Agenturwechsel rechtfertigen können
Ein Agenturwechsel wird besonders relevant, wenn mehrere Probleme gleichzeitig und wiederholt auftreten.
Die Leistung bleibt dauerhaft hinter dem vereinbarten Scope zurück
Wenn im Angebot regelmäßige Strategiearbeit, Analysen oder konkrete operative Leistungen vorgesehen sind, sollten diese während der Zusammenarbeit sichtbar werden.
Allgemeine Tätigkeitsbeschreibungen reichen für eine belastbare Bewertung kaum aus. Entscheidend sind konkrete Arbeitsergebnisse.
Welche Nachweise für laufende Agenturleistungen sinnvoll sind, lässt sich über eine unabhängige Leistungsprüfung systematisch einordnen.
Die Agentur entwickelt das Mandat kaum weiter
Eine gute Agenturarbeit sollte sich mit neuen Daten, Marktveränderungen und Erkenntnissen weiterentwickeln.
Wenn Strategie und Maßnahmen über lange Zeit nahezu unverändert bleiben, obwohl Ergebnisse stagnieren oder sich Rahmenbedingungen verändern, entsteht ein strukturelles Problem.
Gerade bei langfristigen Retainern sollte erkennbar sein, welche neuen Prioritäten und Entscheidungen aus den gewonnenen Daten entstehen.
Reporting und wirtschaftliche Realität passen schwer zusammen
Positiv dargestellte Reichweiten, Rankings oder Klickzahlen besitzen nur begrenzten Wert, wenn zentrale Unternehmensziele kaum erreicht werden.
Die Geschäftsführung sollte deshalb prüfen, ob operative Kennzahlen mit Leads, Neukunden, Umsatz oder anderen relevanten Zielgrößen verbunden werden.
Das angekündigte Team arbeitet kaum am Projekt
Im Pitch werden häufig erfahrene Strategen oder Spezialisten vorgestellt. Im laufenden Mandat übernehmen anschließend andere Mitarbeiter große Teile der Arbeit.
Ein Wechsel kann relevant werden, wenn die tatsächlich eingesetzte Kompetenz deutlich vom ursprünglich zugesagten Leistungsmodell abweicht und dadurch Qualität oder Geschwindigkeit leiden.
Wiederkehrende Probleme werden erklärt, aber kaum gelöst
Auch gute Agenturen erleben Rückschläge.
Relevant ist deshalb weniger, ob Probleme auftreten, sondern wie damit umgegangen wird.
Eine professionelle Agentur analysiert Ursachen, priorisiert Maßnahmen und dokumentiert die nächste Entscheidung. Wiederholen sich dieselben Probleme über mehrere Monate ohne erkennbare Anpassung, sollte die Zusammenarbeit tiefer geprüft werden.
Wann Nachsteuern sinnvoller als Wechseln ist
Ein Agenturwechsel verursacht Aufwand. Deshalb sollte geprüft werden, ob bestehende Probleme durch eine klare Korrektur innerhalb des aktuellen Mandats gelöst werden können.
Nachsteuern kann sinnvoll sein, wenn die grundsätzliche fachliche Qualität stimmt, einzelne Verantwortlichkeiten unklar sind oder der ursprüngliche Scope nicht mehr zur aktuellen Unternehmenssituation passt.
Mögliche Maßnahmen sind beispielsweise:
-
Ziele neu definieren,
-
Leistungsumfang anpassen,
-
Reporting vereinfachen,
-
Seniorität im Team erhöhen,
-
Budgets anders verteilen,
-
Verantwortlichkeiten klarer festlegen,
-
zusätzliche Kontrollpunkte vereinbaren.
Eine gute Agentur sollte auf solche Veränderungen konstriv reagieren und nachvollziehbar darstellen können, wie die neue Struktur umgesetzt wird.
Vor einer Entscheidung zwischen Fortführung und Wechsel hilft der Beitrag Agenturvertrag verlängern oder wechseln bei der systematischen Einordnung.
Agenturleistung vor dem Wechsel objektiv prüfen
Ein Wechsel sollte möglichst auf überprüfbaren Fakten beruhen.
Dafür können ursprüngliches Angebot, Vertrag, Reportings, Rechnungen, Arbeitsergebnisse und Primärdaten miteinander abgeglichen werden.
Eine solche Prüfung beantwortet beispielsweise:
Was wurde ursprünglich vereinbart?
Was wurde tatsächlich umgesetzt?
Welche Ergebnisse wurden erreicht?
Wie plausibel ist der Beitrag der Agentur zu diesen Ergebnissen?
Passt das Honorar zur tatsächlichen Leistung?
Gerade wenn intern Fachwissen fehlt, kann eine unabhängige Agenturleistungsprüfung helfen, diese Ebenen voneinander zu trennen.
Damit entsteht eine belastbare Grundlage für Nachsteuerung, Neuverhandlung oder Wechsel.
Vertrag und Kündigungsfrist prüfen
Wenn die Wechselentscheidung gefallen ist, sollte zunächst der aktuelle Vertrag geprüft werden.
Relevant sind insbesondere Laufzeit, Kündigungsfrist, automatische Verlängerung, offene Leistungen, Übergabepflichten und Nutzungsrechte.
Auch zusätzliche Vereinbarungen können eine Rolle spielen, etwa:
-
Mindestlaufzeiten,
-
Kündigungstermine,
-
Restbudgets,
-
Media-Spend,
-
Softwarelizenzen,
-
offene Projektphasen,
-
Übergabe von Dateien,
-
Eigentum an Accounts und Daten.
Der Beitrag Agenturvertrag kündigen behandelt diese Phase ausführlicher.
Bei wirtschaftlich relevanten Verträgen kann zusätzlich eine Vertrags- und Angebotsprüfung sinnvoll sein.
Agenturwechsel vorbereiten: Daten, Konten und Unterlagen sichern
Noch vor der eigentlichen Übergabe sollte geprüft werden, welche Systeme und Informationen am bestehenden Anbieter hängen.
Besonders relevant sind:
| Bereich | Zu sichernde Informationen |
|---|---|
| Domain und Website | Registrar, DNS, Hosting, CMS, Datenbanken |
| Analytics | Google Analytics, Search Console, Tag Manager |
| Werbung | Google Ads, Microsoft Ads, Meta, LinkedIn |
| SEO | Rankings, Crawls, Keywordsets, Dashboards |
| CRM | Kontakte, Leads, Attribution, Schnittstellen |
| Content | Texte, Bilder, Videos, Briefings, Redaktionspläne |
| Technik | Quellcode, Repositories, APIs, Staging-Systeme |
| Dokumentation | Strategien, Reports, Roadmaps, Analysen |
Dabei sollte jeweils geprüft werden, wer Eigentümer und Hauptadministrator ist.
Ein funktionierender Zugang reicht nicht aus, wenn der Anbieter weiterhin alleinige Kontrolle über das Konto besitzt.
Wichtige Daten sollten zusätzlich exportiert und im Unternehmen gespeichert werden. Historische Reports, Keyworddaten oder Kampagneninformationen können später verloren gehen, wenn sie ausschließlich in einem Agenturtool liegen.
Erst neue Agentur suchen oder zuerst kündigen?
Bei komplexeren Mandaten ist es häufig sinnvoll, die neue Agentur bereits vor dem vollständigen Ausscheiden des bisherigen Anbieters auszuwählen.
Dadurch kann ein kontrollierter Übergabezeitraum entstehen.
Die genaue Reihenfolge hängt allerdings von Kündigungsfrist, Vertrauensverhältnis und Projektrisiko ab.
Ein möglicher Ablauf:
Leistung prüfen → Wechselentscheidung treffen → Vertrag prüfen → neue Agentur auswählen → Übergabe organisieren → bestehendes Mandat beenden
Bei sehr sensiblen Situationen kann die Reihenfolge angepasst werden.
Wichtig bleibt, dass das Unternehmen während des gesamten Prozesses Kontrolle über Systeme, Daten und Entscheidungen behält.
Neue Agentur sorgfältiger auswählen
Ein Wechsel löst nur dann dauerhaft ein Problem, wenn die nächste Auswahl besser strukturiert wird.
Vor der neuen Anbietersuche sollte deshalb ausgewertet werden, was beim bisherigen Mandat funktioniert hat und welche Schwächen vermieden werden sollen.
Daraus entsteht ein neues Anforderungsprofil.
Beispielsweise:
Die bisherige Agentur war operativ stark, aber strategisch schwach. Dann sollte die neue Auswahl stärker auf Strategiekompetenz und Seniorität achten.
Oder:
Die fachliche Arbeit war gut, das Reporting jedoch unbrauchbar. Dann müssen Reportingstruktur und Managementinformationen bereits im neuen Angebot klar definiert werden.
Vor einer Beauftragung kann eine unabhängige Anbieterprüfung helfen, Substanz, Kompetenz und Eignung des neuen Dienstleisters einzuordnen.
Alte und neue Agentur kontrolliert übergeben lassen
Eine professionelle Übergabe sollte als eigener Projektabschnitt geplant werden.
Dafür werden Verantwortlichkeiten, Termine und erwartete Übergabeobjekte festgelegt.
Ein einfaches Übergabeprotokoll kann beispielsweise enthalten:
| Bereich | Alte Agentur | Unternehmen | Neue Agentur |
|---|---|---|---|
| Zugänge übergeben | verantwortlich | prüfen | bestätigen |
| Daten exportieren | liefern | sichern | übernehmen |
| offene Projekte dokumentieren | erstellen | prüfen | einarbeiten |
| Tracking prüfen | dokumentieren | freigeben | testen |
| laufende Kampagnen | Status liefern | entscheiden | übernehmen |
| Roadmap | übergeben | priorisieren | fortführen/anpassen |
Dadurch wird sichtbar, welche Aufgaben noch offen sind.
Gerade bei größeren Agenturmandaten reduziert ein klarer Übergabeplan das Risiko von Informationsverlusten erheblich.
Ist ein Parallelbetrieb sinnvoll?
Eine kurze Parallelphase kann bei komplexen Projekten hilfreich sein.
Die alte Agentur stellt Wissen und Systeme bereit, während die neue Agentur sich einarbeitet und zentrale Prozesse übernimmt.
Besonders sinnvoll ist dies bei:
-
laufenden Performance-Kampagnen,
-
umfangreichen Websites,
-
komplexem Tracking,
-
technischen SEO-Projekten,
-
CRM-Integrationen,
-
internationalen Setups.
Der Parallelbetrieb sollte jedoch zeitlich klar begrenzt sein.
Ziel ist eine geordnete Übergabe und keine dauerhafte Doppelstruktur.
Baseline vor dem Agenturwechsel festhalten
Einer der wichtigsten Schritte wird häufig übersehen: Der aktuelle Zustand sollte vor Beginn der neuen Zusammenarbeit dokumentiert werden.
Diese Baseline ermöglicht später eine faire Bewertung der neuen Agentur.
Je nach Mandat können dazu gehören:
-
organischer Traffic,
-
relevante Rankings,
-
qualifizierte Leads,
-
Conversion Rate,
-
Kosten pro Lead,
-
Customer Acquisition Cost,
-
Media-Spend,
-
Umsatz,
-
technische Fehler,
-
laufende Kampagnen,
-
Content-Performance.
Die Daten sollten möglichst aus Primärsystemen stammen.
Ohne Baseline entsteht nach einigen Monaten schnell eine Diskussion darüber, ob sich das Marketing seit dem Wechsel tatsächlich verbessert hat.
Spezialfall: SEO Agentur wechseln
Beim Wechsel einer SEO Agentur besitzt Kontinuität besondere Bedeutung.
Die neue Agentur übernimmt häufig eine Website, deren bisherige Optimierungen, technische Entscheidungen und Contentstrategie über Jahre gewachsen sind.
Unüberlegte Änderungen können Rankings und organischen Traffic beeinflussen.
Deshalb sollten unter anderem Keywordsets, Search-Console-Daten, Crawls, bisherige technische Maßnahmen, Contentpläne und laufende SEO-Projekte vollständig übergeben werden.
Der Beitrag SEO Agentur wechseln behandelt diese Besonderheiten ausführlich.
Spezialfall: Google Ads Agentur wechseln
Bei Google Ads liegt ein großer Teil der historischen Arbeit direkt im Werbekonto.
Kampagnenstruktur, Conversion Tracking, Zielgruppen, Gebotsstrategien und Änderungshistorie sollten erhalten bleiben.
Besonders wichtig ist die Frage, wem das Werbekonto gehört und welche Administratorrechte bestehen.
Wie sich der Wechsel ohne Verlust wichtiger Kampagneninformationen vorbereiten lässt, zeigt der Beitrag Google Ads Agentur wechseln.
Spezialfall: Marketingagentur wechseln
Beim Wechsel einer breit aufgestellten Marketingagentur müssen häufig mehrere Kanäle gleichzeitig betrachtet werden.
SEO, Content, Paid Media, Website, Tracking und Strategie können miteinander verbunden sein.
Hier sollte deshalb zusätzlich geprüft werden, welche Leistungen zentral gesteuert wurden und welche Abhängigkeiten zwischen einzelnen Bereichen bestehen.
Der Beitrag Marketingagentur wechseln vertieft diese Entscheidung.
Die ersten 30 Tage nach dem Agenturwechsel
Die erste Phase dient vor allem der Stabilisierung.
Alle Zugänge sollten funktionieren, zentrale Systeme müssen geprüft und offene Übergabepunkte abgeschlossen werden.
Die neue Agentur sollte gleichzeitig den bestehenden Zustand nachvollziehen.
Hilfreiche Fragen:
-
Sind alle Daten vorhanden?
-
Funktioniert das Tracking?
-
Sind laufende Kampagnen stabil?
-
Welche offenen Aufgaben wurden übernommen?
-
Welche Annahmen der bisherigen Strategie werden bestätigt?
Große strategische Änderungen sollten auf einer belastbaren Bestandsaufnahme beruhen.
Die ersten 60 Tage
Nach etwa zwei Monaten sollte die neue Agentur ein klares Bild vom Mandat entwickelt haben.
Jetzt sollten erste Prioritäten sichtbar werden.
Dazu gehören beispielsweise:
-
identifizierte Schwachstellen,
-
neu priorisierte Maßnahmen,
-
kurzfristige Korrekturen,
-
strategische Empfehlungen,
-
aktualisierte Roadmap.
Die Geschäftsführung sollte erkennen können, welche neuen Erkenntnisse aus der Übernahme entstanden sind.
Die ersten 90 Tage
Nach rund drei Monaten lässt sich die Qualität des Agenturwechsels erstmals umfassender bewerten.
Dabei geht es weniger um endgültige wirtschaftliche Ergebnisse als um die Qualität des neuen Systems.
Ist die Zusammenarbeit klar strukturiert?
Sind Verantwortlichkeiten definiert?
Ist das Reporting verständlich?
Sind Maßnahmen priorisiert?
Werden Entscheidungen nachvollziehbar begründet?
Sind erste Frühindikatoren positiv?
Ein strukturierter 30-/60-/90-Tage-Review verhindert, dass auch das neue Mandat früh in eine unklare Routine übergeht.
Was kostet ein Agenturwechsel?
Die tatsächlichen Wechselkosten bestehen aus mehr als dem Honorar der neuen Agentur.
Zu berücksichtigen sind beispielsweise:
Doppelbetreuung: Alte und neue Agentur arbeiten zeitweise parallel.
Onboarding: Die neue Agentur benötigt Zeit für Systeme, Daten und Strategie.
Interne Ressourcen: Mitarbeiter müssen Zugänge, Dokumentation und Abstimmungen koordinieren.
Migration: Tools, Tracking oder technische Systeme können umgestellt werden.
Neue Grundlagenarbeit: Teile von Strategie, Analyse oder Setup müssen möglicherweise neu aufgebaut werden.
Diese Kosten sollten gegen den erwarteten Nutzen des Wechsels gestellt werden.
Ein bestehendes schwaches Mandat kann über Jahre deutlich höhere Opportunitätskosten verursachen als eine einmalige saubere Übergabe.
Häufige Fehler beim Agenturwechsel
Viele Probleme entstehen durch fehlende Vorbereitung.
Besonders häufig sind:
-
Kündigung vor Sicherung wichtiger Zugänge,
-
fehlende Datenexporte,
-
unklare Account-Eigentumsverhältnisse,
-
zu kurze Übergabezeit,
-
Auswahl der neuen Agentur unter Zeitdruck,
-
fehlende Dokumentation laufender Maßnahmen,
-
sofortiger vollständiger Strategiewechsel,
-
keine Baseline vor der Übergabe.
Ein Agenturwechsel sollte deshalb als eigenständiges Projekt behandelt werden.
Checkliste: Agenturwechsel für die Geschäftsführung
Vor Abschluss des Wechsels sollten folgende Punkte geklärt sein:
-
Gründe für den Wechsel fachlich dokumentiert
-
interne Ursachen geprüft
-
bestehende Agenturleistung bewertet
-
Vertrag und Kündigungsfrist geprüft
-
neue Anforderungen definiert
-
neuer Anbieter ausgewählt und geprüft
-
Eigentum an Accounts geklärt
-
Daten und Reports exportiert
-
Website-, Analytics- und Werbezugänge gesichert
-
laufende Projekte dokumentiert
-
Baseline vor dem Wechsel erstellt
-
Übergabezeitraum festgelegt
-
neue Agentur vollständig eingearbeitet
-
Tracking und Systeme getestet
-
alte Zugänge anschließend entfernt
-
30-/60-/90-Tage-Review geplant
AVERVO Einschätzung: Erst Ursache klären, dann Agentur wechseln
Ein Agenturwechsel sollte auf einer klaren fachlichen Diagnose beruhen.
Schwache Ergebnisse können aus Agenturleistung, Strategie, internen Prozessen oder unrealistischen Ausgangserwartungen entstehen. Werden diese Ursachen vor dem Wechsel sauber getrennt, kann die nächste Zusammenarbeit gezielter aufgebaut werden.
Nach der Entscheidung wird der Wechsel selbst zu einem kontrollierten Übergabeprojekt: Verträge prüfen, Konten sichern, Daten übernehmen, Baseline dokumentieren und neue Verantwortlichkeiten festlegen.
Damit wird aus einem Anbieterwechsel eine belastbare unternehmerische Entscheidung mit klarer Ausgangslage für das nächste Mandat.